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Skifahren in der Rhön - Erinnerungen
an meine ersten Skifahrten in den 1950-er Jahren |
Ich bekam meine ersten (gebrauchten!) Skier
als Elfjähriger im Jahre 1953. Sie waren natürlich ohne
Stahlkanten, auch die Riemenbindung war höchst primitiv und
nicht sehr stabil. Gewaxst habe ich mit Steig- und Gleitwachs,
wobei der erwärmte Handballen zum Einreiben benutzt werden
musste. Für's Bergaufgehen hatte ich natürlich keine
Felle, sondern ich musste das "Steig-Wachs" fischgrätenartig
auf die Skisohle auftragen. Die ersten Gehversuche (Schwünge
waren wirklich nicht drin!) machte ich auf dem Bauersberg (oberhalb
von Bischofsheim) in der Bayerischen Rhön, gegenüber
vom Kreuzberg. Die Rhön ist zwar bekannt für ihr raues
Klima, aber der Schnee ist dort (wenn er nicht gerade verweht
ist) nicht sehr hoch (also Tiefschnee gibt es dort eigentlich
nie), und Pulverschnee ist dort eigentlich auch unbekannt. Meist
liegt dort nur Pappschnee, der sich bei Frost an der Oberfläche
in Harsch verwandelt.
Einige Jahre später (vermutlich im Januar 1959) durfte ich
dann sogar am Sonntag allein mit dem Bus von Schweinfurt auf den
Kreuzberg zum Skifahren. Dort gibt es seit 1958 am "Bischofsheimer
Blick" den ersten (Schlepp-)Lift in der Rhön, den sog.
Blicklift. Eine Einzel-Fahrt kostete damals 50 Pfennige. Als Tages-Taschengeld
bekam ich aber damals genau 50 Pfennige mit, mit dem strengen
Auftrag, mir in der Mittagszeit in der Kantine des Kreuzberg-Klosters
davon einen Teller dampfende Suppe zu kaufen. Für mich war
es damals aber wesentlich interessanter, diese 50 Pfennige für
eine (einzige!) Liftfahrt auszugeben als für einen Teller
Suppe. Natürlich blieb es nicht bei einer einzigen Abfahrt
am "Blick", sondern ich trug unzähligemale meine
Skier seitlich am Pistenrand wieder hinauf, mitleidig belächelt
von den vorbeiziehenden Liftfahrern. Am Nachmittag nutzte ich
noch die letzte Gelegenheit zum Skifahren, musste mich dann aber
beeilen, um den heimfahrenden Bus noch rechtzeitig in Bischofsheim
zu erreichen. Also im letzten Dämmerlicht rauschte ich im
Schuss die Piste hinunter, die auf einer trichterförmigen
Wiese in einen Waldpfad mündete, genannt "Kanonenrohr".
Dieses "Rohr" ist, wie der Name schon verrät, sehr
eng und war natürlich meist vereist, und man musste ohne
Schwünge mit vollem Karacho da gerade hindurch. Am Ausgang
dieses Rohres sind die "Wiesele", ein holpriges Ackergelände,
das meist keine richtige Schneeauflage mehr hatte. Ich erinnere
mich noch genau, dass ich öfters dort mit meinen Skiern ein
hohes Rad schlug und mitten im Ackerdreck landete. Mit angeschlagenen
Knochen und blauen Flecken unter der verdreckten Skihose (Keilhosen
waren damals modern!) humpelte ich dann eiligst durch Haselbach
zum Bus nach Bischofsheim. Aber schön war es doch irgendwie.
Jo
Saffert
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